[Spielleiter-Tipps] Konflikte optimieren

Donnerstag, 5. März 2009

Konflikt

Die Gruppe sitzt zappelnd am Tisch, ihre Pizza dampft unangetastet auf den Tisch, sie springen auf, gehen durch den Raum und streiten. Spannung knistert im Raum, jedes Würfelgeräusch bringt das Herz zum rasen, das Spiel lebt! Kennt Ihr das? Ich liebe solche Situationen. Doch wie kommt es dazu? Das ist eines der Hauptthemen in diesem Blog. Heutiges Thema: Konflikte. Besser gesagt: Konflikte, welche die Charaktere vor Entscheidungen stellen; Entscheidungen, die das Leben der Charaktere nachhaltig verändern können.

Verfolgen wir eine typische Rollenspielsituation: Der Auftraggeber bieten den Helden einen Auftrag an. Diesen Ausgangspunkt haben viele Abenteuer, wenn auch nicht alle. Der hagere alte Mann betritt die schummrige Taverne, steuert auf die Helden zu, gibt Ihnen alle Informationen und verschwindet wieder im Dunkeln mit der Versprechung einer hohen Belohnung. Werden die Spieler hier aufspringen und vor Spannung zittern? Wahrscheinlich nicht, doch wie bringen wir sie dazu? Mit einem Konflikt? Probieren wir es ...

Doch was ist eigentlich ein Konflikt? Neigen wir unser Haupt, während wir Anonymous zuhören, wie er die Wikipedia zitiert:

"Ein Konflikt (lat.: confligere = zusammentreffen, kämpfen; PPP: conflictum) ist dann gegeben, wenn Zielsetzungen oder Wertvorstellungen von Personen, gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen oder Staaten unvereinbar sind."

Danke, Anon! Konflikte können immer drei Lösungen haben: Die erste führt zu weiteren Konflikten, die zweite löst den Konflikt, in der dritten Variante bleibt alles beim alten, der Konflikt existiert weiter. Hierbei ist zu beachten, dass manchmal Nichtstun auch einen Konflikt im Guten, wie im Schlechten lösen kann. Welche Lösung die Spieler wählen, liegt bei ihnen. Der Spielleiter sollte sie in die Konfliktsituation bringen und abwarten. Mir macht das persönlich viel Spaß zu sehen, wie sich im Geist der Spielern das Problem entfaltet.

Der hagere Mann gehört, gut erkennbar durch seine schwarze Ordenskleidung, einem der dunklen Mächte an. Doch das Angebot, was er den Helden unterbietet ist wirklich gut: Geld dafür, dass sie eine Prinzessin in Not retten. Ist es aber zu vereinbaren, dass die Spieler kurzzeitig mit einem ihrer Feinde kurzzeitig zusammen arbeiten, um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen? Ein klassischer Konflikt.

Ich finde, ein guter Konflikt lässt sich an der Entscheidungstiefe erkennen, welche mit einer potentiellen Lösung hervorgeht. Wenn die Entscheidung kritisch für das Leben des Charakters ist, wird der Spieler mehr darüber nachdenken. Der Spieler erlebt dadurch das Spiel intensiver. Ein Räuber steht auf der Straße, hält die eine Waffe entgegen und fragt dich: "Geld oder Leben?". Eine falsche Entscheidung führt zum sofortigen Exitus, die andere zum vermeintlichen sozialen Abstieg. Welche Opfer würde ein Mensch für sein Leben bringen? Probiert es an euren Spielern aus und sagt mir, welche Opfer sie bringen würden!

Die Spieler sollten mit etwas interagieren müssen für einen guten Konflikt. Der Wikipedia-Text gibt schon einige Beispiele: Personen, gesellschaftlichen Gruppen, Organisationen oder Staaten. Da wir uns in einer in der Regel in einer Phantasie-Welt befinden beim Rollenspiel, können die Spieler natürlich noch mit viel mehr interagieren. Besonders intensive Interaktion erreicht man durch Gefühle bei den Spielern. Liebe und Hass sind hierbei die stärksten Gefühle.

Der hagere Mann gehört, gut erkennbar durch seine schwarze Ordenskleidung, einem der dunklen Mächte an. Er bietet den Helden das Geld an, dass sie brauchen um einen ihrer Gefährten wiederbeleben zu lassen. Doch im Austausch verlangt er einen dunklen Dienst von ihnen: Das Herz einer dunklen Bestie. Gehen die Helden darauf ein, dass Leben ihres Freundes zu retten und den Feinden zu helfen oder opfern sie den Freund und kämpfen weiter gegen das Böse?

Was haltet Ihr von Konflikten in Rollenspielen? Wie nutzt ihr Konflikte? Was ist für euch ein richtig spannender Konflikt?
Das Foto stammt von izarbeltza (Bildlizenz)

4 Kommentare:

arnebab hat gesagt…

Erstmal: Ich finde es klasse, dass du Konflikte ansprichst, gerade auch für untypische Situationen!

Allerdings denke ich, dass die einfache Auftraggeber-Situation hier unpraktisch sein könnte, weil du als SL dann immer gleich zwei mögliche Ergebnisse planen musst: Sie nehmen an, oder sie lehnen ab - sonst hätte ihre schwere Entscheidung keine Auswirkungen, was frustrieren würde.

Deswegen: Harte Konflikte dann, wenn es wichtig wird, oder Konflikte, die zwar die Reaktionen der NCSs und die SCs beeinflussen, aber nicht die gesamte Handlung ändern.

Beispiel: Statt dass der dunkel gekleidete von ihnen das Herz der Bestie verlangt, die sie noch töten müssen, verlangt er nur das Herz einer Bestie, der sie sowieso gerade auf der Spur sind.

Ob sie annehmen oder nicht, wir können die geplante "jage die Bestie" Szene nutzen. Da einzige, was sich ändert ist, dass aus der "händige das Herz aus" Szene eine "hindere die Dunklen daran, das Herz zu stehlen" Szene wird.

(nebenbei: Für jeden, der auf rsp-blogs bewertet: Schreibt doch auch Kommentare dazu! Motivation lebt von Rückmeldung.)

- Drak ( http://1w6.org )

pihalbe hat gesagt…

Konflikt ist für mich das, was im Wikipedia-Artikel steht. Also A will (a), B will (b), was sich nicht mit (a) vereinen lässt.

Was Du hier in Deinem Artikel beschreibst ist aber eher A will (a) und (a'), nur leider schließen sich diese beiden Dinge aus und A muss sich für eines - zu Ungunsten des anderen - entscheiden.

Das nenne ich dann allerdings eher Entscheidung, BANG!, Dilemma oder auch innerer Konflikt. In ein gutes Abenteuer gehört natürlich beides. Wenn man so ein Dilemma für die ganze Gruppe baut, muss man natürlich aufpassen, dass es nicht nur für die Gruppe als Ganzes ein Dilemma ist, sondern für jeden einzelnen. Sonst gibt es nachher eine Entscheidung, bei der A gewonnen und B verloren hat. Das hinterlässt dann einen fahlen Beigeschmack bei einem Teil der Gruppe.

Deswegen ist es vermutlich üblicher, Dilemmata (heißt das so?) nur für einzelne Gruppenmitglieder zu stellen; das ist wesentlich einfacher.

Wenn man es allerdings schafft, ein Dilemma für jeden einzelnen der Gruppe zu schaffen, ist das natürlich sehr effektvoll und mMn erstrebenswert.

3_1415 hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
pichen hat gesagt…

Diese Konflikte sind ein zweischneidiges Schwert. Gerade im Fantasy Rollenspiel gehen Spieler leider viel zu oft davon aus, dass ein bestimmtes Verhalten von ihnen verlangt wird, damit das Abenteuer weiter geht.
Im gewissen Sinne haben sie da auch recht, immerhin wird immer ein gewisser "good will" vorausgesetzt, aber wie weit geht der?
Somit habe ich schon öfters erlebt, dass Spieler eine Entscheidung getroffen haben, die überhaupt nicht zu der Konzeption ihrer Charaktere passte und sich später darüber beschwert haben, dass sie zu solchen Entscheidungen gezwungen wurden.
Nunja, vielleicht ist es in anderen Runden einfacher, ich selbst mag dieses Spiel mit dem Konflikt zwar auch, bin aber sehr vorsichtig damit.

 
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